
BlackRock hat bei der SEC einen Antrag für einen iShares Nasdaq-100 ETF mit dem vorgeschlagenen Kürzel IQQ eingereicht und greift damit direkt Invescos jahrzehntelange Führung beim Index an.
ETF-Analyst Eric Balchunas schätzt, dass die Kostenquote bei etwa 12 Basispunkten liegen könnte. Damit würde BlackRock sowohl QQQ mit 0,18 % als auch QQQM mit 0,15 % unterbieten und eine der größten ETF-Konfrontationen im Jahr 2026 auslösen.
Gebühren und Vertriebskraft
BlackRock hat Erfahrung damit, in bedeutende Kategorien mit aggressiven Preisen einzusteigen. Der iShares Bitcoin Trust (IBIT) hat ein ähnliches Vorgehen gezeigt.
BlackRock verbindet wettbewerbsfähige Gebühren mit institutioneller Vertriebsstärke und konnte so innerhalb weniger Monate zum führenden Anbieter für Spot-Bitcoin-ETF-Zuflüsse werden.
Das gleiche Konzept gilt auch hier. Wird IQQ bei 10 bis 12 Basispunkten bepreist, haben gebührensensible Investoren in 401(k)-Plänen, Robo-Plattformen und Berater-Portfolios einen klaren Anreiz, neues Kapital umzuschichten.
BlackRock verwaltet mehr als 14 Billionen USD an Vermögenswerten und bietet bereits Nasdaq-100-Produkte in Kanada, Europa und Hongkong an. Das bringt operative Erfahrung und eine globale Reichweite, die Invesco kaum nachbilden kann.
Zusatznutzen bietet auch das Cross-Selling. Berater, die iShares bereits für Kern-Equity-, Anleihen- oder Faktor-Exposures nutzen, bekommen unkompliziert einen Nasdaq-100-Zugang im selben Ökosystem. Zudem bindet BlackRocks Aladdin-Analyseplattform große institutionelle Kunden länger an das Unternehmen.
Strukturelle Vorteile ab dem ersten Tag
IQQ würde vermutlich von Anfang an als moderner, offener ETF starten. QQQ wurde erst im Dezember 2025 von der ursprünglichen Unit-Investment-Trust-Struktur umgewandelt. Das alte Format brachte kleine Ineffizienzen mit sich, etwa Bargeldverluste bei der Dividendenwiederanlage.
BlackRock gilt auch als führend bei Erträgen aus Wertpapierleihe, was die Fondskosten zusätzlich senken kann. In Kombination mit der Erfahrung beim Management globaler Nasdaq-100-Produkte startet IQQ mit weniger Kompromissen als der Konkurrent, der diese Struktur über zwanzig Jahre genutzt hat.
Die Marktlage begünstigt die Herausforderung zudem. Der Nasdaq-100 zieht weiter Kapital an, da er als konzentrierter Wachstumsmotor mit Fokussierung auf innovative Large Caps gilt.
Geringere Gebühren durch Konkurrenz können den gesamten adressierbaren Markt erweitern und Kapital anziehen, das bislang in breitere Indexprodukte floss.
Warum QQQ nicht leicht verdrängt wird
Trotz dieser Vorteile ist es kurzfristig unwahrscheinlich, dass QQQ ganz verdrängt wird. QQQ wird täglich mit mehreren Millionen Anteilen gehandelt und bietet mit die engsten Spreads im ETF-Markt.
Sein Options- und Futures-Ökosystem ist fest in institutionellen Handelsstrategien integriert.
Invesco verwaltet etwa 360 bis 370 Milliarden USD im QQQ und weitere 70 Milliarden USD im QQQM. Die Basis von insgesamt über 430 Milliarden USD profitiert von mehr als 25 Jahren Markenstärke.
Auch Wechselhürden schützen den bisherigen Marktführer. Investoren mit steuerpflichtigen Konten müssten wegen möglicher Kapitalgewinne aktiv werden. Auch im Altersvorsorgebereich sind bewusste Umstellungen durch Berater nötig.
Auch historische Beispiele sprechen für die Marktführer. Der SPDR S&P 500 ETF Trust (SPY) hat trotz höherer Gebühren als iShares IVV und Vanguard VOO immer noch das größte Tagesvolumen.
Herausforderer erreichen selten die ursprüngliche Liquidität, selbst wenn sie bei den Kosten gewinnen.
Ein realistisches Ergebnis
Vermutlich wird es weder zu einer vollständigen Verdrängung noch zum Scheitern kommen. BlackRock könnte innerhalb von zwei bis drei Jahren realistisch 20 bis 50 Milliarden USD gewinnen, indem neue Zuflüsse angezogen und gebührensensible langfristige Halter aus dem QQQM abgeworben werden.
Insgesamt dürfte das Volumen der Nasdaq-100-ETF schneller wachsen, da Gebührendruck weiteres Kapital anzieht.
Invesco könnte mit weiteren Gebührensenkungen beim QQQM oder neuen Produktvarianten reagieren, um die Position zu halten.
Der vollständige Prospekt, einschließlich der bestätigten Kostenquote, wurde noch nicht veröffentlicht. Diese eine Zahl wird die weitere Entwicklung maßgeblich bestimmen.

