Krypto ist für Iran heute eines der praktischsten wirtschaftlichen Werkzeuge, da Krieg, Sanktionen und finanzielle Isolation dem Land den Zugang zu globalen Märkten erschweren.
Der Druck nahm am 4. Mai 2026 erneut zu, nachdem Iran behauptete, Raketen auf ein US-Marine-Schiff in der Nähe der Straße von Hormus abgefeuert zu haben.
Washington bestritt den Angriff und erklärte, dass Teheran lediglich Warnschüsse abgegeben habe. Die Konfrontation erfolgte, als die USA „Project Freedom“ starteten, eine Marineoperation, die Schiffe mit Zerstörern, Flugzeugen, Drohnen und etwa 15.000 Soldaten durch die Straße begleiten soll.
Die Ölpreise stiegen stark an, Brent-Öl erreichte 120 USD. Zudem überschritt der Bitcoin-Kurs wieder die Marke von 80.000 USD.
Sanktionen machten Krypto zu Irans Zahlungssystem
Für Iran zeigt sich darin eine grundlegende Entwicklung. Das Land erwirtschaftet mit Öl weiterhin einen Großteil seiner Staatseinnahmen, aber Kryptowährungen sind für viele Unternehmen mittlerweile unerlässlich, um im Alltag wirtschaftlich zu überleben.
Ebrahim Mello, Experte für Iran und den Nahen Osten sowie Mitglied im BRICS+ Consortium Business Council, sagte BeInCrypto, es sei kaum noch vorstellbar, iranischen Binnenhandel oder Außenhandel ohne Kryptowährungen abzuwickeln.
Sanktionen, das Fehlen von Visa und Mastercard sowie der eingeschränkte Zugang zu SWIFT haben Unternehmen und Privatpersonen dazu gebracht, digitale Vermögenswerte zu nutzen.
Laut Mello können viele Iranerinnen und Iraner ihre Rial von lokalen Bankkonten in Kryptowährungen umtauschen und so Geld ins Ausland transferieren.
Zahlungen lassen sich durch Wallet-Transfers nach Russland, in die Türkei, die arabischen Staaten und selbst nach Nordamerika senden. Der Bitcoin-Kurs wird inzwischen auf Anzeigetafeln von Börsen gelistet, und einige gehobene Restaurants in Teheran akzeptieren bereits Krypto-Zahlungen.
„Sanktionen und Einschränkungen haben die Menschen gezwungen, nach kreativen Lösungen zu suchen. Iraner fanden alternative Wege, und Kryptowährungen wurden zu einem davon. Es gab eine Zeit, da hat fast jeder im Iran gemined. Mining-Geräte standen in Fabriken, Schulen und sogar Moscheen. Der Strom war billig, aber der Druck wurde so massiv, dass das Land ernsthafte Stromengpässe bekam“, sagte Ebrahim Mello zu BeInCrypto.
Mining wuchs zudem durch Irans niedrige Strompreise, ermöglicht durch die Öl- und Gasreserven des Landes. Nach Mellos Schätzung kostet Mining von einem Bitcoin in Iran etwa 1.000 bis 1.500 USD.
Das schuf Anreize, Mining-Anlagen in Fabriken, Schulen, Moscheen und Privathäusern zu installieren.
Allerdings führte der Boom zu Belastungen für das Stromnetz. Die Regierung versuchte, illegales Mining zu bekämpfen, doch einheitliche Kontrolle ist in Wohnungen, Unternehmen und Industriebetrieben weiterhin schwierig.
Krypto ermöglicht Zahlungsverkehr, kann jedoch Vertrauen nicht ersetzen
Trotzdem bleiben die Handelsprobleme Irans bestehen. Mello erklärte, iranische Unternehmen würden häufig auf Handschläge, Bargeld, Pro-Forma-Rechnungen oder Wallet-Transfers zurückgreifen.
Dadurch entstehen Schwierigkeiten in Märkten wie Russland, wo Verträge, Kennzeichnungsvorschriften, Zertifikate und Bankunterlagen wichtig sind.
Das Ergebnis ist eindeutig: Krypto hilft iranischen Unternehmen, Geldbewegungen möglich zu machen, wenn offizielle Systeme blockiert sind. Es kann jedoch keine gesetzlichen Rahmenbedingungen, Marktwissen oder Vertrauen im internationalen Handel ersetzen.