Der Bitcoin-Kurs ist im vergangenen Monat um mehr als 20 % gestiegen, aber die Struktur unter dieser Rallye zeichnet ein anderes Bild als die Kursentwicklung.
Derivate-Trader sind auf fallende Kurse positioniert. Wale verkaufen in diese Stärke hinein. Das Momentum-Profil deutet eher auf eine Gegenbewegung als auf einen neuen Aufwärtstrend. Die Kursentwicklung wirkt bullisch, doch die Struktur zeigt ein bärisches Bild.
Die Derivate-Daten zeigen trotz der Rallye ein bärisches Bild
Die meisten Rallyes der vergangenen Quartale basierten auf dem gleichen Muster. Long-Trader steigen früh ein, der Hebel nimmt am Markt für unbefristete Futures zu, Finanzierungsraten werden deutlich positiv, und die Rallye setzt sich fort, bis ein starker Ausschlag die überhebelten Longs liquidiert und den Zyklus zurücksetzt. Dieses Muster ist so bekannt, dass aktive Rallyes sofort Skepsis über die Anzahl der Long-Positionen auslösen, die noch aus dem Markt entfernt werden müssten.
Diese Bitcoin-Rallye verläuft jedoch anders, denn während der 20%-Rallye im vergangenen Monat sind Long-Positionen nur vereinzelt aufgetreten.
Das gesamte Open Interest für Bitcoin ist von 30,88 Milliarden USD am 30. April auf 34,26 Milliarden USD am 6. Mai gestiegen, was in nur sechs Handelstagen einen Anstieg von mehr als 11 % bedeutet. Allerdings ist die Richtung dieser neuen Positionen entscheidend für die Analyse.
Die Finanzierungsraten lagen am 30. April bei -0,011 % und stehen am 6. Mai immer noch bei -0,006 %. Eine so lange negative Finanzierungsrate während einer 20%-Rallye ist selten und bestätigt, dass das steigende Open Interest überwiegend aus neuen Short-Positionen und nicht aus neuen Longs besteht.
Der 8-Stunden-Chart bringt die Bestätigung vom Spotmarkt. Wir nutzen den 8-Stunden-Zeitrahmen, um kurzfristige Trend-Muster zu erkennen. Das Volumenprofil dieser Rallye hat dabei abgenommen. Zwischen dem 14. April und 6. Mai ist der Bitcoin-Kurs stetig gestiegen, während das Handelsvolumen kontinuierlich zurückgegangen ist. Die Rallye basiert also nicht auf einer hohen Nachfrage am Spotmarkt, sondern wohl auf Unglauben und möglicherweise auf fortlaufenden Short-Liquidationen.
Da es momentan keine überhebelte Long-Position gibt, die aus dem Markt getrieben werden müsste, fehlt das Risiko eines schnellen Kursrückschlags, das frühere Rallyes oft beendet hat. Allerdings fehlt ohne euphorische Long-Positionen auch das starke Kaufinteresse, das den Kurs durch Widerstände trägt. Diese Rallye ist daher strukturell instabil.
Wal-Flows und RSI-Divergenz bestätigen das bärische Bild
Der Mangel an Überzeugung zeigt sich klar in zwei unabhängigen On-Chain-Signalen.
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Die Gruppe kleinerer Bitcoin-Wale, also Wallets mit einem Bestand zwischen 1.000 und 10.000 Coins, hielt am 18. April 2026 insgesamt 4,27 Millionen Bitcoin. Bis zum 6. Mai fiel dieser Wert auf 4,19 Millionen Bitcoin. Der Rückgang um 80.000 Bitcoin in einem Zeitraum von 18 Tagen fällt mit der Rallye zusammen. Die Wale kaufen diesen Kursanstieg nicht, sondern nutzen die Stärke zum Verkauf.
Der Tages-Chart bringt ein drittes bärisches Signal hinzu. Der Relative Strength Index (RSI), ein Momentum-Indikator, zeigt diese Divergenz deutlich. Zwischen dem 5. Januar und 5. Mai hat der Bitcoin-Kurs ein klar tieferes Hoch gebildet, während der RSI im gleichen Zeitraum auf ein höheres Hoch gestiegen ist.
Dieses Muster ist eine versteckte bärische Divergenz. Sie tritt auf, wenn der Kurs ein tieferes Hoch bildet, während das Momentum steigt. In einem übergeordneten Abwärtstrend signalisiert diese versteckte bärische Divergenz die Fortsetzung des bestehenden Trends und keine Umkehr. Die 20%-Rallye vom Februar-Tief wirkt daher wie eine Gegenbewegung im Rahmen einer größeren Korrekturstruktur. Die bärische Divergenz wird erst ungültig, wenn der Bitcoin-Kurs 81.854 USD überschreitet.
Drei Signale zeigen sich konstant. Die Positionierung bei den Derivaten zeigt, dass Trader einen Rücksetzer erwarten. Der Rückgang der 80.000-Bitcoin-Wale-Gruppe zeigt, dass die Überzeugung am Spotmarkt fehlt. Die verdeckte bärische Divergenz beim RSI signalisiert, dass der übergeordnete Trend weiter abwärts zeigt. Die 20%-Rallye ist aus technischer Sicht verteidigbar, da das Überlaufen von Long-Positionen, welches frühere Rallyes gebrochen hat, diesmal fehlt. Allerdings fehlt gleichzeitig die Spot-Nachfrage, die Trendwenden abrundet.
Der Markt zeigt keine Euphorie.
Bitcoin-Kursniveaus: Hier endet die bärische Prognose
Bitcoin (BTC) wird bei 81.326 USD gehandelt, wobei die unmittelbare Widerstandszone zwischen 81.810 und 81.854 USD liegt. Diese Zone entscheidet, ob die Rallye, an die nicht viele glauben, weitergeht oder abbricht.
Ein Tagesschlusskurs über 81.854 USD bestätigt, dass die Rallye genug Stärke hat, um weiter anzusteigen. Damit wäre der Weg zum nächsten großen technischen Ziel bei 90.460 USD offen. Diese Zone bei 90.460 USD liegt auf der absteigenden Trendlinie, die Bitcoin seit dem Hoch im Januar begrenzt. Ein Ausbruch über 90.460 USD würde den übergeordneten Abwärtstrend aufbrechen und ein echtes Trendwendesignal senden.
Auf der Unterseite liegen die wichtigen Niveaus eng beieinander. Wird Bitcoin im Bereich von 81.810 bis 81.854 USD abgelehnt, folgt ein Rückfall auf 76.656 USD, das 0,236-Fibonacci-Level. Diese Marke ist die erste wichtige Unterstützung und ein wahrscheinliches Ziel für einen erneuten Test. Fällt Bitcoin unter 76.656 USD, liegt der weitere Fokus auf 73.467 USD (0,382 Fib), 70.891 USD (0,5 Fib) und 68.314 USD (0,618 Fib). Ein Rutsch unter 64.645 USD würde das langfristige Tief bei 59.972 USD offenlegen.
Das negative Funding bedeutet, dass jede Ablehnung an der Widerstandszone verstärkt wird. Da Short-Positionen im perpetual Buch dominieren, würde ein gescheiterter Ausbruch keine massiven Long-Liquidationen auslösen, die den Rückfall bremsen. Der Weg zurück zu 76.656 USD könnte daher schnell verlaufen.
Die Kursniveaus sind eindeutig: Ein bestätigter Tagesschluss über 81.854 USD öffnet den Weg zu 90.460 USD, eine Ablehnung schickt Bitcoin zurück auf 76.656 USD.