12.05.2026, 19:39 Uhr

Schweizer Großbank setzt ab 2026 verstärkt auf Krypto

UBS hat im Januar 2026 den direkten Handel mit Bitcoin (BTC) und Ethereum (ETH) für ausgewählte Private-Banking-Kunden gestartet. Damit bringt die Schweizer Bank die Krypto-Adoption deutlich in den Massenmarkt.

Die Bank folgt der Zürcher Kantonalbank und PostFinance, die mit ihren Angeboten ab 2024 Krypto-Zugang zu mehr als 2,5 Millionen Schweizer Konten ermöglichten. In der Schweiz bieten inzwischen etwa 20 Banken Krypto-Dienstleistungen an, mehr als in jedem anderen Land.

Top-Länder beim Zugang zu Krypto durch Banken
Top-Länder beim Zugang zu Krypto durch Banken. Quelle: BigWhale

Das Anlegerprofil, das niemand erwartet hat

Die Zürcher Kantonalbank hat Anfang 2024 mit Krypto-Verwahrung und Handel begonnen. Peter Hubli, Leiter Digitale Vermögenswerte, sagte gegenüber The Big Whale, die Bank habe mit einer eher jungen Kundschaft gerechnet. Die tatsächlichen Zahlen zeichnen ein anderes Bild.

„Das ist wahrscheinlich die größte Überraschung bei diesem Start. Wir haben wie viele andere erwartet, eine sehr junge Kundschaft zu gewinnen. Das ist überhaupt nicht der Fall.”

Peter Hubli, Lead Digital Assets, Zürcher Kantonalbank, im Bericht von The Big Whale.

Im Schnitt sind die Krypto-Käufer bei der ZKB zwischen 30 und 50 Jahre alt, überwiegend männlich und vor allem im Private Banking, nicht im Retail, zu finden. Mehr als 40 % hatten vor dem Krypto-Einstieg kein Investment-Portfolio bei der Bank. Ihr Geld lag ungenutzt.

Der finanzielle Effekt ist nicht mehr gering. Maerki Baumann berichtet, dass nun mehr als 20 % des Bankgewinns mit digitalen Vermögenswerten zusammenhängen. Swissquote erklärt, dass etwa 10 % des Gesamtumsatzes aus Krypto stammen.

Die Arab Bank Switzerland meldet, dass 5 % der verwalteten Vermögenswerte, aber 7 % des Reingewinns aus Krypto kommen.

PostFinance, die systemrelevante staatliche Bank, eröffnete 36.000 Krypto-Verwahrkonten und führte im ersten Jahr mehr als 565.000 Transaktionen aus. Beide Zahlen zeigen, dass längst mehr als eine Pilotphase erreicht ist.

Die Schweiz passt in ein globales Muster

Dieses Muster ist nicht auf die Schweiz beschränkt. Die EY-Parthenon- und Coinbase-Umfrage zu digitalen Vermögenswerten unter Institutionen im Januar 2026 hat mehr als 350 institutionelle Investoren befragt. Dazu zählten Asset Manager, Family Offices und Privatbanken.

Die Umfrage ergab, dass 73 % ihre Investitionen in digitale Vermögenswerte in diesem Jahr erhöhen wollen. Der Anteil der Nutzer oder Interessenten von Stablecoins lag bei 84 %. Damit wird klar, dass die Schweiz Teil eines breiteren, institutionellen Trends und keine Ausnahme ist.

Die Befragten nannten Verwahrungssicherheit und regulatorische Klarheit als wichtigste Themen. Beides adressieren Schweizer Banken mit dem Distributed Ledger Technology Act von 2021 sowie banküblichen Verwahrungsanbietern wie Taurus und Sygnum.

Der Wettbewerbsvorsprung steht auf dem Prüfstand

Der Bericht von The Big Whale zeigt, dass die Schweiz weiter führend ist, mit etwa 20 Banken, die Krypto-Dienste anbieten. Es folgen die Vereinigten Staaten mit 15 Banken und Deutschland mit 12. Obwohl der zahlenmäßige Vorsprung bleibt, hat die Geschwindigkeit des US-Markteintritts den Abstand verringert.

Der Vorsprung der Schweiz muss sich bald in zwei Bereichen beweisen. Das OECD Crypto-Asset Reporting Framework tritt am 1. Januar 2027 in Kraft und beendet somit die Zeit der steuerlichen Intransparenz.

Die Lizenzreform der FINMA, die auf eine öffentliche Konsultation Ende Februar 2026 folgt, wird die Regeln für Verwahrung und Stablecoins verändern. Einige Regelungen entsprechen dem europäischen MiCA-Rahmenwerk.

Ilya Volkov vom Board der Crypto Valley Association warnt vor „regulatorischer Mikropolitik”, die den pragmatischen Vorsprung der Schweiz gefährden könnte. Ob das Land seinen Vorsprung bis 2027 hält, hängt vom Ausgang dieser Konsultation ab.