Der US-Dollar-Index (DXY) steigt und steuert auf 101 zu, nachdem sich auf dem Tages-Chart ein doppelter Boden gebildet hat. In der Vergangenheit hätte diese Bewegung den Bitcoin-Kurs (BTC) belastet. Allerdings zeichnet ein Blick auf die Korrelation im Jahr 2026 ein anderes Bild.
Bitcoin wird aktuell nahe 80.605 USD gehandelt, was einem Plus von 0,97% innerhalb von 24 Stunden und 8,71% in den vergangenen 30 Tagen entspricht. Die Frage ist nun, ob die Stärke des US-Dollar-Kurses weiterhin den Bitcoin-Kurs beeinflusst oder ob Bitcoin sich nach eigenen Fundamentaldaten entwickelt.
Die langfristige umgekehrte Korrelation bleibt wichtig
Seit mehr als zehn Jahren entwickeln sich DXY und Bitcoin meist entgegengesetzt. Daten von Bitcoin Counterflow reichen bis 2011 zurück und zeigen dieses Muster deutlich.
Die Phasen der Bitcoin-Ausweitung in den Jahren 2013, 2017 und 2020 fielen jeweils mit einer DXY-Schwäche unter 90 zusammen. Starke DXY-Rallyes in den Jahren 2014, 2018 und 2022 traten zeitgleich mit tiefen Bitcoin-Rückgängen von 60% oder mehr auf.
Der Zusammenhang ist einfach zu erklären. Ein schwächerer Dollar signalisiert in der Regel lockerere finanzielle Bedingungen und eine höhere Risikobereitschaft. Beides hat in der Vergangenheit Bitcoin sowie andere riskantere Vermögenswerte angehoben.
Youtuber Carl Moon veröffentlichte kürzlich einen monatlichen Vergleichs-Chart, der diese Sichtweise stärkt. Sein Chart stellt die jeweiligen Bitcoin-Halving-Zyklen den DXY-Phasen gegenüber.
Rote Bereiche während Bitcoin-Bullenmärkten stimmen mit fallendem DXY überein, während grüne Blöcke während Korrekturphasen eine Dollar-Stärke anzeigen. Allerdings zeigt die Prognose von Moon ab jetzt für beide Vermögenswerte steigende Kurse, was dafür spricht, dass sich die Beziehung ändern könnte.
2026 zeichnet ein komplexeres Bild
Auch wenn das langfristige Bild die umgekehrte Beziehung stützt, sorgen die aktuellen Kursbewegungen für mehr Komplexität. Eine Korrelation zwischen DXY und Bitcoin auf dem Tages-Chart zeigt für das Jahr 2026 ein gemischtes Bild.
Ende Januar und Anfang Februar war die Korrelation fast positiv bei 1,00 (blaue Ellipse). Beide Vermögenswerte fielen gleichzeitig, als Risiko-Märkte neu bewertet wurden. Die gleiche positive Korrelation zeigte sich erneut Mitte März und Anfang April, als beide Märkte gemeinsam stiegen.
Ab der zweiten Aprilhälfte kehrte dann die negative Korrelation bis Mai zurück (rote Ellipse). DXY legte zu, während Bitcoin sich um 80.000 USD bewegte. Die Werte näherten sich erneut minus 1,00 an, womit nach mehrmonatiger Entkopplung das umgekehrte Muster wieder dominierte.
Diese Schwankungen stehen im Zusammenhang mit strukturellen Veränderungen am Bitcoin-Markt. Die Zuflüsse in Spot Bitcoin Exchange Traded Funds (ETF) erreichten im April 1,97 Milliarden USD, der stärkste Wert 2026.
Institutionelle Nachfrage beeinflusst inzwischen den Bitcoin-Kurs unabhängig von Dollar-Bewegungen. Zuvor prägten eher Retail-Zyklen das Geschehen, die viel empfindlicher auf Dollar-Stärke reagierten. Diese Abhängigkeit nimmt jedoch ab, da unter anderem Mittelzuflüsse von BlackRock und anderen Anbietern ein stabiles Gebot sichern.
DXY-Kursprognose: Ziel bei 101,075
Das aktuelle DXY-Chart bietet eine klare technische Ausgangslage. Der Kurs notiert bei 99,124, nachdem das 0,618-Fibonacci-Retracement bei 98,548 überschritten wurde. Eine W-Formation im April und Mai bildet zudem die Basis für diese Bewegung.
Das bullische Ziel liegt bei 101,075, etwa 2% über dem aktuellen Stand. Dieser Wert liegt knapp oberhalb der Angebotszone bei 100,393, die sowohl die 1,0-Fibonacci-Extension als auch das frühere Hoch von März und April markiert.
Das Momentum spricht für einen Ausbruch. Der Relative Strength Index (RSI) steigt Richtung 60, während das Moving Average Convergence Divergence (MACD)-Histogramm auf grün gedreht hat und weiter zulegt.
Eine ungültige technische Ausgangslage entsteht bei einem Tagesschlusskurs unter dem 0,382-Fibonacci-Niveau bei 97,408. Dieser Bereich entspricht dem grünen Unterstützungsband im Chart.
Damit ergibt sich ein klarer Test für die Korrelation auf breiter Ebene. Sollte DXY über 100,393 steigen und Bitcoin stabil bleiben oder eine Rallye starten, stärkt dies die These einer Entkopplung.
Falls Bitcoin allerdings fällt, wenn DXY Richtung 101 steigt, würde sich die historische umgekehrte Korrelation bestätigen und die makroökonomischen Kräfte bestimmen weiterhin den Kurs. Die nächsten Wochen dürften zeigen, ob Bitcoin als eigenständiger Vermögenswert auftritt oder weiterhin eng an den Pfad des Dollar gebunden ist.