Globale Anleiherenditen stiegen am Freitag, weil die Ölpreise kletterten. Die britische 30-jährige Staatsanleihe erreichte mit 5,82% ihren höchsten Stand seit 1998.
Der Ausverkauf betraf US-Staatsanleihen, britische Anleihen und japanische Staatsanleihen. Trader fragen sich nun, was die aktuellen Entwicklungen bei festverzinslichen Wertpapieren über China, das Ölangebot und staatliche Defizite sagen.
Ein synchroner Renditeanstieg in den wichtigsten Volkswirtschaften
Mohamed El-Erian, Chefökonomischer Berater bei Allianz, sagte, der Anstieg sei vor allem durch den Anstieg des Ölpreises ausgelöst worden. Zudem waren die Produzentenpreise in Japan höher als erwartet.
Die Rendite der 30-jährigen japanischen Staatsanleihe lag erstmals seit 1999 bei 4%. Die britische 10-jährige Anleihe notierte nahe 5,14% und die deutsche 10-jährige Anleihe stieg um 7,5 Basispunkte auf 3,12%.
Auch die Renditen von US-Staatsanleihen zogen an. Die 10-jährige lag nahe 4,54%, die 20-jährige bei 5,10% und die 30-jährige bei 5,09%.
„Alle Laufzeiten steigen gleichzeitig”, stellte Trader Bull Theory heraus.
Aktienmärkte reagierten darauf kaum. Der S&P 500 bewegte sich wegen KI-Optimismus nahe einem Rekordwert von 7.501. Die Gewinnrendite des S&P liegt nun deutlich unter der 10-jährigen Anleiherendite, eine seltene Konstellation, die zuletzt 2003 zu beobachten war.
„Anleiherenditen interessieren sich nicht für KI. Entscheidend sind ein jährliches Defizit von 2 Billionen USD, Ölpreise bei 100 USD, anhaltende Inflation und eine Regierung, die täglich mehr Geld aufnimmt, um einen Krieg zu finanzieren”, ergänzte Bull Theory.
Was Renditen über China und die Wirtschaft sagen
Im Hinblick auf China überwiegt Skepsis. „Mad Money”-Moderator Jim Cramer sagte, Aktienmärkte gingen davon aus, dass Chinas Staatschef Xi Jinping Störungen am Ölmarkt, die mit US-Präsident Trump zusammenhängen, ausgleichen wird.
Er stellte aber fest, dass es keine festen Handelszusagen gebe. Anleihe-Trader scheinen daher weniger überzeugt.
Mit Blick auf die Wirtschaft preisen Anleihen längere und höhere Inflation ein. Außerdem spiegeln sie wachsende Haushaltsdefizite und die eingeschränkten Möglichkeiten der Notenbanken, die Zinsen zu senken, wider.
Britische Anleihen deuten auf fiskalischen Druck hin. Japanische Langläufer markieren das Ende jahrzehntelanger Unterdrückung der Zinssätze, da die Bank of Japan ihre Politik normalisiert.
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Beide Sichtweisen können nicht dauerhaft recht behalten. Die nächsten Schritte beim Ölpreis, Signale der Bank of Japan und mögliche weitere Gespräche zwischen Trump und Xi werden wahrscheinlich entscheiden, welche Seite zuerst nachgibt.