Greg Abel sagte am Samstag zu den Aktionären von Berkshire Hathaway, dass der Konzern künstliche Intelligenz (KI) nur dort einsetzen wird, wo sie eindeutig einen Mehrwert bringt. Er lehnt den Branchentrend ab und äußerte sich bei seiner ersten Hauptversammlung als designierter Nachfolger von Warren Buffett sehr zurückhaltend.
Die Aussagen wurden am 2. Mai in Omaha gemacht. Abel verfolgt eine vorsichtige Strategie für den KI-Einsatz in den Bereichen Versicherung, Eisenbahn, Energie und Fertigung von Berkshire. Buffett, der kürzlich als Vorstandsvorsitzender zurückgetreten ist, äußerte sich bei der Veranstaltung nicht zu KI.
Klassische KI statt Branchentrend
Abel erklärte den Aktionären, dass KI erst dann eingesetzt wird, wenn sie Effizienz, Sicherheit oder Entscheidungen tatsächlich verbessert. Der stellvertretende Vorsitzende verwies auf die Eisenbahn-Tochter BNSF, bei der gezielte KI-Werkzeuge hilfreiche Impulse in den Abläufen bieten, und auf den Versicherungsbereich, in dem Technik bereits dabei hilft, Betrug und Deepfake-Risiken frühzeitig zu erkennen.
Zu Beginn der Hauptversammlung zeigten die Veranstalter ein von KI generiertes Video von Buffett. Abel sagte dazu, dies sei ein ernstes Risiko, dem Berkshire täglich begegnet.
„Es muss einen echten Mehrwert für unser Geschäft liefern. Wir setzen KI nicht nur um der KI willen ein”, sagte er.
Diese Sichtweise knüpft an Buffetts langjährige Skepsis gegenüber unbewiesenen Technologietrends an. Sie unterscheidet sich klar von Konkurrenten, die Stellen abbauen oder durch KI-Initiativen ihren Marktauftritt neu gestalten.
Energiesparte auf Zuwachs bei Rechenzentren vorbereitet
Die deutlichste Wachstumschance ergibt sich bei Berkshire Hathaway Energy. Nach Abels Angaben machen Rechenzentren jetzt schon etwa 8% der Spitzenlast in wichtigen Versorgungsgebieten wie Iowa aus. Das liegt im oberen Bereich der branchenüblichen Werte von 5% bis 10%.
Abel geht davon aus, dass die Energiesparte diesen Anteil in den nächsten fünf Jahren um 50% steigern kann. Grund dafür ist die wachsende Nachfrage von großen Technologieunternehmen, die rasch KI-Infrastruktur aufbauen.
Er stellte klar, dass diese Betreiber „die vollen Kosten tragen müssen”, damit Privat- oder Geschäftskunden nicht durch die neue Last belastet werden.
Diese Einstellung verschafft Berkshire einen klaren Vorteil durch KI, ohne sich an Softwarebewertungen zu beteiligen. Das passt zu Abels Nachfolge beim Konzern.
Ob dieser vorsichtige Ansatz gelingt, während die Investitionen in KI-Infrastruktur im Versorgungssektor beschleunigen, wird Abels erstes volles Jahr als Chef prägen.