07.05.2026, 1:30 Uhr

FBI klagt 30 Personen wegen Insider-Handels mit Bezug zu Anwaltskanzleien an

Die FBI-Niederlassung in Boston hat am Mittwoch 30 Personen in einem Insiderhandel-Fall angeklagt, der sich über zehn Jahre erstreckte. Die Beschuldigten sollen mit vertraulichen Daten, die sie aus führenden US-Anwaltskanzleien gestohlen hatten, vor fast 30 Übernahmen und Zusammenschlüssen (M&A) gehandelt haben.

Den Angaben der Bundesstaatsanwälte zufolge erzielte das System rechtswidrige Gewinne in Höhe von mehreren zehn Millionen US-Dollar. Die Handelsgeschäfte wurden über ausländische Brokerkonten in Russland, Israel, Panama und der Schweiz abgewickelt.

So funktionierte der mutmaßliche Insiderhandel

Der zugelassene Wirtschaftsanwalt Nicolo Nourafchan soll laut Anklage auf interne Systeme seiner Kanzlei zugegriffen und so vertrauliche Unterlagen zu geplanten Deals gesehen haben.

Er teilte diese nicht-öffentlichen Informationen mit Mitverschworenen, darunter auch Anwalt Robert Yadgarov.

Die Verschwörer sollen Wegwerf-Handys, verschlüsselte Apps und kodierte Begriffe genutzt haben, um ihre Kommunikation zu verbergen. In manchen Nachrichten wurden Deals laut Anklage etwa als „kranker Rabbiner, der eine Operation braucht” bezeichnet.

Die Gewinne wurden über Konten von Briefkastenfirmen und im Ausland verschoben. Zwei Angeklagte in Russland und Israel sind weiterhin flüchtig. Die neunzehn anderen, am Mittwoch Festgenommenen sehen sich Anklagen gegenüber, die mit bis zu 25 Jahren Haft pro Vergehen bestraft werden können.

Teil einer größeren Initiative für Marktintegrität

Der Fall erfolgt zu einem Zeitpunkt, zu dem US-Behörden die Durchsetzung von Insiderhandelsregeln auch auf Bereiche außerhalb von klassischen Aktien ausweiten. Die Bundesanwaltschaft brachte im Jahr 2022 erstmals einen strafrechtlichen Insiderhandel-Fall im Bereich Kryptowährungen vor Gericht.

„Jeder, der Insiderhandel betreibt, untergräbt grundsätzlich das Vertrauen, das unsere Finanzmärkte zum Funktionieren benötigen”, heißt es in der Mitteilung von Ted E. Docks, FBI Boston Special Agent in Charge.

Ein früherer Coinbase-Produktmanager, Ishan Wahi, gestand, seinem Bruder Hinweise auf anstehende Token-Listings gegeben zu haben. Er wurde zu 24 Monaten Haft verurteilt und musste seine Kryptowährungs-Bestände abgeben.

Das Vorgehen zeigt, dass die Aufsichtsbehörden die gleiche Theorie der unrechtmäßigen Nutzung vertraulicher Informationen sowohl auf Aktien- als auch auf digitale Vermögenswerte anwenden. Wesentlich bleibt stets, ob eine nicht-öffentliche, wesentliche Information zum Einsatz kommt, egal um welche Vermögensklasse es sich handelt.

Die Behörden verfolgen weiterhin Finanzflüsse durch ausländische Briefkastenfirmen, während die Ermittlungen andauern. Das Ergebnis des Falls könnte bestimmen, wie Aufsichtsbehörden professionelle Mittler sowohl im klassischen als auch im Kryptomarkt kontrollieren.