Seit seinen frühen Zeiten mit starkem Wachstum ist Binance zum größten globalen Akteur im Bereich der Kryptowährungs-Brokerage geworden.
Diese Position gibt Binance eine klare, krypto-freundliche Stimme auf globaler Ebene, da Länder die Regulierung und Anpassung an die Entwicklung und Einführung von Kryptowährungs-Assets prüfen.
Bei der Veranstaltung Consensus 2026 in Miami Beach traf sich BeInCrypto mit Jimmy Su, dem Chief Security Officer von Binance. Themen des Gesprächs waren der Kryptomarkt, die neuesten Tools von Binance und wie sich das Unternehmen an die zunehmende Institutionalisierung traditioneller Finanzunternehmen anpasst.
Die Übersicht aus großer Höhe
In den vergangenen Wochen wurde bekannt, dass der US-Senat den Clarity Act vorantreiben möchte. Dieses Gesetz würde die regulatorischen Grundlagen schaffen, damit große Finanzinstitute einsteigen können.
Das hat im Mai geholfen, die Kryptowährungen nach oben zu treiben, auch wenn die Kurse weiterhin deutlich unter den Höchstständen des Vorjahres liegen.
Laut Su ist trotz des langfristig steigenden Kryptokurses die tatsächliche Entwicklung die zunehmende Nutzung:
„Ich achte nicht allzu sehr auf die täglichen Kursbewegungen, aber ich sehe mehr Akzeptanz von Krypto, mehr Nutzung von Krypto in ländlichen Bereichen, zum Beispiel RWA, also die Tokenisierung verschiedener ländlicher Vermögenswerte. All das bewegt sich in die richtige Richtung.
Wir haben einen Zeitraum von fünf bis zehn Jahren und einen noch längeren Zeithorizont bei diesen Assets und ich denke, das läuft gut. Wir sehen, dass viele tradfi-Lösungen und Krypto-Produkte sich in der Mitte annähern. Krypto-Unternehmen bieten Zugang zu Aktien-Token und Rohstoff-Token an. Auf der anderen Seite bieten traditionelle Finanzunternehmen immer mehr Krypto-Dienstleistungen an.“
Krypto trifft auf Öl
Binance hat kürzlich wichtige neue Funktionen auf seiner Plattform hinzugefügt.
Eine der interessanteren Neuerungen ist die Möglichkeit, jetzt mit Verträgen auf Ölkurse zu handeln. Das zeigt, dass Krypto-Unternehmen sich weiter in Richtung traditionelle Finanzprodukte bewegen. Zudem werden in den nächsten Monaten voraussichtlich weitere tradfi-Funktionen auf der Plattform bereitgestellt.
Auch wenn das die Aufmerksamkeit etwas verteilt, bedeutet es gleichzeitig, dass Krypto-Broker wie Binance einen größeren Marktanteil gewinnen können:
„Wir dehnen uns auf Bereiche aus, in denen wir neues Interesse am Handel anziehen. Dadurch bewegen wir uns von Krypto weg, es gibt mehr tradfi-Handelsprodukte und unsere Zahl der Wettbewerber wird größer.“
Krypto-Sicherheit im Zeitalter von KI
Als Chief Security Officer von Binance ist Su verantwortlich für den Schutz der Nutzerdaten und die Entwicklung neuer Technologien zum Schutz vor immer ausgefeilteren Angriffen durch Kriminelle.
Sowohl Angreifer als auch Verteidiger im Bereich Sicherheit setzen zunehmend auf KI-Tools, um Bedrohungen zu erkennen oder zu erzeugen.
Aus Sicht der Angreifer ermöglichen KI-Tools, Angriffe schneller und größer zu machen. Laut Su:
„In den letzten sechs Monaten hat sich die Nutzung von KI stark erweitert, nicht nur im Bereich Sicherheit, sondern im gesamten Unternehmen. Gerade in der Sicherheit sehen wir Vorteile sowohl für Angreifer als auch für Verteidiger.
Aus Sicht des Angreifers kann man durch KI-Tools viel schneller skalieren.
Was früher fünf oder sechs Red Team-Mitglieder für die Suche nach Schwachstellen gebraucht hat, kann heute eine Person mit meinem KI-Tool in einem Wochenende erledigen. Damit wird die Zeit zwischen dem Fund einer Schwachstelle und dem Angriff auf einen Coin immer kürzer.“
KI kann auch zum Schutz eingesetzt werden
Für gewöhnlich haben Angreifer einen Vorsprung im Sicherheitsbereich. KI-Tools können diesen Vorsprung weiter vergrößern. Aber auch Verteidiger haben Zugriff auf ähnliche Tools. Die Schnelligkeit und Klugheit der KI-Lösungen bei der Abwehr von Angriffen kann diesen entgegenwirken.
KI ist möglicherweise sogar in der Lage, Angriffsmuster frühzeitig zu erkennen und zu schließen, noch bevor ein Mensch das Muster sieht oder überhaupt von der Bedrohung weiß.
„Auf der Verteidigerseite sehen wir KI als Partner, also als ein Mitglied des SOC-Teams, mit dem wir zusammenarbeiten können. Sie ist in der Lage, Signale aus verschiedenen Quellen zusammenzuführen, von verschiedenen Protokollen, aus dem E-Mail-Netzwerk oder vom Endgerät. Das hilft uns bei der Abwehr, denn wir können damit die Protokolle breiter und tiefer analysieren, als nur mit dem eigenen SOC-Team.“
Sicherheitsbedrohung Nr. 1: Prüfen Sie Ihre Links
Mit Blick auf aktuelle Sicherheitsbedrohungen weist Su darauf hin, dass gefährliche Links in Suchmaschinen-Ergebnissen stark zugenommen haben. Die dabei heruntergeladene Schadsoftware kann zu Sicherheitslücken führen:
„In letzter Zeit haben wir eine starke Verbreitung von KI-Tools beobachtet. Viele Suchanzeigen in Suchmaschinen liefern Ergebnisse, die manipuliert sind. Und manchmal, wenn Nutzer nicht aufmerksam sind und sich nur auf die obersten Suchanzeigen konzentrieren, ist es nicht offensichtlich, dass es sich um Werbung handelt. Sie könnten dann eine schädliche KI-Anwendung installieren.
Das konnten wir in den vergangenen Wochen beobachten. Nutzer installieren tatsächlich KI-Tools mit Malware, die ihre Daten, einschließlich privater Schlüssel und Kontodaten, preisgeben kann. Das ist der Trend, den wir sehen.“
Sicherheitsbedrohung Nr. 2: Angriffe mit Gewaltandrohung
Auch wenn eine Krypto-Wallet digital geschützt ist, bestehen weitere Risiken. Ein solches Risiko ist der sogenannte „Wrench Attack”, bei dem durch physische Gewalt der Zugang zur digitalen Wallet erzwungen werden soll.
Zwar lässt sich ein solcher Angriff nicht vollständig ausschließen, jedoch gibt es Möglichkeiten, die Wallet zu sperren. So kann sichergestellt werden, dass selbst bei Preisgabe einiger Informationen Ihr Kryptobestand geschützt bleibt:
„Wir haben eine Funktion namens Withdrawal Protection veröffentlicht. Damit können unsere Nutzer festlegen, dass ihre Auszahlung für eine bestimmte Zeit eingefroren wird.“
„Gerade beim Krypto-Auszahlen besteht aktuell das höchste Risiko. Denn oft ist eine Krypto-Auszahlung nicht umkehrbar. Wenn Sie zum Beispiel per ACH auf Jack und Young Geld bewegen, ist das leichter rückgängig zu machen.“
„Deshalb haben wir diese Funktion als zusätzliches Kontrollinstrument eingeführt. Die Nutzer bestimmen selbst, wann ihre Auszahlung eingefroren wird. So haben sie mehr Zeit, im Notfall zu reagieren.“
Von mehr Sicherheit zu einer einfacheren Benutzererfahrung
KI-Tools helfen dabei, Sicherheit und Schutz mit einer reibungslosen Nutzererfahrung in Einklang zu bringen. Der Erfolg und das Wachstum von Binance basiert darauf, diese Balance richtig zu steuern.
Su sieht weitere Möglichkeiten, das Nutzererlebnis mit KI-Tools zu vereinfachen:
„Wir suchen immer nach Wegen, die Benutzererfahrung und den Schutz für Nutzer auszubalancieren. Oft bemerkt man Verbesserungen gar nicht direkt, weil sie im Ablauf unsichtbar bleiben.“
„Ein Beispiel: Wir setzen KI ein, um besser zu verstehen, in welchem Zusammenhang unsere Nutzer Aktionen ausführen. Wenn sie sich etwa über ein vertrauenswürdiges Gerät einloggen oder eine Auszahlung machen und ihr Muster wie gewohnt ist, stellen wir weniger Hürden auf, damit alles einfacher abläuft.“
„Die KI hilft uns aber auch, Nutzer mit risikoreichem Muster zu erkennen. Dann erhöhen wir die Sicherheitsstufen, zum Beispiel mit 2FA, biometrischer Prüfung oder Gesichtserkennung.“
Blick nach vorn
Binance hat zwar in letzter Zeit einige wichtige Funktionen ergänzt, es gibt jedoch noch viel zu tun.
Sie geben sich nicht mit dem Erreichten zufrieden, sondern suchen weiter nach Lösungen, mit weniger Aufwand durch KI-Tools die Benutzererfahrung zu vereinfachen und dabei die Systeme sicher zu halten. Ein Bereich für weitere Fortschritte: schnelleres und besseres Programmieren mit Hilfe von KI.
„Wir nutzen Cloud-Code. Aus unserer Sicht ermöglicht KI inzwischen nicht nur schnelleres Erstellen und Testen von Code, sondern kann sogar die gesamte Angriffskette analysieren und nachbilden.“
„Das ist sehr vielversprechend. KI kann also im Idealfall eigenständig Sicherheitslücken entdecken und bis hin zur Umsetzung im realen System begleiten. So wird sie nicht nur ein Werkzeug sein, sondern auch ein leistungsfähiges Mitglied unseres Red Teams.“