Die Inflation in den USA ist im April stärker gestiegen als erwartet, was die Kryptomärkte verunsichert und die Sorge bestätigt hat, dass die Federal Reserve die Zinsen länger hoch hält.
Der Bitcoin-Kurs und andere risikoreiche Vermögenswerte wurden nach der Veröffentlichung unruhig, da der Verbraucherpreisindex (CPI) auf 3,8 % im Jahresvergleich gestiegen ist. Das lag über den Erwartungen von 3,7 % an der Wall Street. Auch die Kerninflation war höher als vorhergesagt.
Inflation Stärker als Erwartet
Der neueste Bericht zum US-Verbraucherpreisindex zeigt, dass der Inflationsdruck anhält, obwohl Investoren seit Monaten auf eine Entspannung gehofft hatten.
Im April ist der CPI im Jahresvergleich um 3,8 % gestiegen und lag damit über dem Konsens von 3,7 %. Die Kerninflation, die ohne Lebensmittel und Energie berechnet wird, kletterte um 2,8 % im Jahresvergleich und lag ebenfalls über der Erwartung von 2,7 %.
Die Märkte hatten sich bereits auf hohe Inflationszahlen vorbereitet, nachdem Analysten gewarnt hatten, dass steigende Benzinpreise, geopolitische Spannungen und anhaltende Mietkosten die Zahlen nach oben treiben könnten.
Mehrere große Banken an der Wall Street, darunter JPMorgan, Deutsche Bank und UBS, hatten vor der Veröffentlichung mit erhöhten Werten gerechnet.
Der stärkere Anstieg als erwartet hat sofort Befürchtungen ausgelöst, dass die Federal Reserve Zinssenkungen möglicherweise bis weit in das Jahr 2026 verschiebt.
Vor der Veröffentlichung setzte die Mehrheit der Investoren (97,6 %) darauf, dass die Fed auf ihrer Sitzung im Juni den Zinssatz unverändert lässt. Die aktuellen Inflationsdaten dürften diese Sichtweise nochmals stärken.
Bitcoin und Risikowerte unter Druck
Krypto-Trader waren beim CPI-Release vorsichtig, da viele starke Volatilität rund um die Veröffentlichung der Daten erwartet hatten.
Der Bitcoin-Kurs stieg nach dem Bericht, ebenso die Anleiherenditen, weil durch die höheren Inflationserwartungen und eine mögliche Straffung durch die Fed auch höhere Renditen für Staatsanleihen nötig werden.
Risikobehaftete Vermögenswerte wie Technologiewerte und Kryptowährungen geraten häufig unter Druck, wenn die Inflation erhöht bleibt. Höhere Zinsen verschärfen die finanziellen Bedingungen und verringern die Risikobereitschaft.
„Die diesmonatige CPI-Veröffentlichung ist für risikoreiche Vermögenswerte problematisch, aber noch keine Katastrophe. Wahrscheinlich steigt die Rendite, der USD wird stärker, der Technologiesektor steht unter Druck und es gibt mehr Volatilität bei Krypto. Bitcoin kann sich besser halten als kleinere Coins, wenn die Nachfrage nach ETFs hoch bleibt. Ein klarer Ausbruch ist meines Erachtens jedoch unwahrscheinlich, da sowohl die Realrenditen als auch der USD gegen Bitcoin arbeiten”, sagte Arthur Azizov, Gründer von B2BROKER Group und B2BINPAY, gegenüber BeInCrypto.
Azizov rechnet bei diesem Marktumfeld mit Seitwärtsbewegungen und erhöhter Volatilität im Bereich zwischen 80.000 USD und 85.000 USD.
„Es gibt genug Inflationsdruck, um die Risikobereitschaft zu bremsen, aber nicht genug, um eine vollständige neue Zinserhöhungsrunde einzupreisen”, ergänzte er.
Analysten auf X hatten vielfach davor gewarnt, dass ein „heißer“ CPI zum Risk-off an den Märkten führen könnte. Viele Makro-Accounts verwiesen auf die Energiepreise und anhaltend hohe Mietkosten als größte Risiken für weiter steigende Inflation.
Warum ist die Kerninflation so wichtig?
Während die Energiepreise zum Anstieg der Gesamtinflation beigetragen haben, achten Investoren besonders auf die Kerninflation, um zu erkennen, wie anhaltend der Preisdruck in der gesamten Wirtschaft ist.
Die Erhöhung der Kerninflation auf 2,8 % zeigt, dass der zugrundeliegende Preisdruck schwer zu beseitigen bleibt, was den Weg zu Zinssenkungen für die Fed erschwert.
Eine anhaltend hohe Inflation kann die Anleiherenditen hoch halten und den USD stärken. Beides wirkt sich historisch negativ auf den Bitcoin-Kurs und andere spekulative Anlagen aus.
Wie geht es an den Kryptomärkten weiter?
Investoren werden nun auf kommende Daten zum Erzeugerpreisindex, Kommentare der Federal Reserve und Reaktionen am Anleihemarkt achten, um Hinweise auf die nächste geldpolitische Entscheidung zu bekommen.
Für den Kryptomarkt bleibt die wichtige Frage, ob der Bitcoin-Kurs die Unterstützung über 80.000 USD halten kann, auch wenn die Hoffnung auf schnelle Zinssenkungen schwindet.
Setzt sich bei der Inflation der Trend nach oben fort, sollten sich Trader auf anhaltende Volatilität bei digitalen Vermögenswerten und Aktien einstellen.