Die Krypto-Branche erlebt gerade einen Wandel, da neue Gesetze und Regulierungen, wie das kommende Clarity Act, Kryptowährungen aus einer Nische zu einer Anlageklasse für alle Investoren machen.
Bei der Consensus 2026 in Miami Beach traf BeInCrypto Henri Arslanian, Mitgründer von Nine Blocks Capital Management. Henri ist seit Langem Investor im Krypto-Bereich und hat die massiven Veränderungen der Branche über die Jahre direkt miterlebt.
Der Fokus auf Stablecoins
In den letzten Wochen gab es Nachrichten, dass der US-Senat am Clarity Act arbeitet. Dieses Gesetz soll die Rahmenbedingungen schaffen, damit große Finanzinstitute Kryptowährungen übernehmen können.
Im Mittelpunkt des Gesetzes stehen Stablecoins. Stablecoins ermöglichen einen Übergang von US-Dollar in einen digitalen Token, der durch die Währung gedeckt ist und einen Wert von einem US-Dollar hat.
Laut Henri:
„Ich bin überrascht, wie sehr Stablecoins das Gespräch dieses Jahr bei der Consensus dominieren.
Es sieht so aus, als würde dieses Mal tatsächlich eine Entscheidung getroffen werden, anders als im Vorjahr, als das Clarity Act Thema war.
Ich finde, die Krypto-Branche bekommt gerade einen Crashkurs zum Thema Lobbyarbeit, Lobbyisten und PACs. Teilweise liegt das an den aktuellen Diskussionen und Verhandlungen rund um das Clarity Act. Ob es vorangeht oder nicht, kann ich nicht sagen.
Dennoch gehen viele institutionelle, große Akteure ihren Weg, unabhängig vom Clarity Act.“
Der Aufstieg von Krypto-Zahlungen
Unternehmen nutzen Krypto-Zahlungen, weil sie schnelle Abwicklung und niedrigere Gebühren als traditionelle Banken oder Kreditkartensysteme bieten.
Die aktuelle Entwicklung bei Zahlungen: Agentic Payments, also Zahlungen, die von KI-Programmen ohne menschlichen Eingriff ausgeführt werden. Viele dieser Zahlungen laufen über Krypto-Programme.
Doch obwohl Zahlungen mit Kryptowährungen zunehmen, stellen sich dabei wichtige Fragen, die noch nicht beantwortet sind.
„Wenn wir Agentic Payments nutzen, wie können wir KYC bei diesen Zahlungen durchführen? Wie machen wir Überwachung, um zum Beispiel Marktmanipulation, Watch-Trading oder Insiderhandel auszuschließen? Letztlich gibt es Agentic Payments. Und dann gibt es die übergeordneten Themen wie Finanzkriminalität und Compliance. Viele finden dieses Thema sehr spannend.“
Krypto-Mainstream bleibt ein fernes Ziel
Kryptowährungen gibt es seit 2009. Das ist immer noch jung verglichen mit Aktien oder Anleihen, die es seit Hunderten von Jahren gibt, oder Gold und Immobilien, die seit Tausenden von Jahren bestehen.
Derzeit ist nur ein geringer Teil der Bevölkerung aktiv in diesem Bereich. Zudem werden viele neue Krypto-Werkzeuge in traditionelle Bankplattformen eingebaut. Deshalb geschieht ein großer Teil des Fortschritts abseits der Öffentlichkeit und alltäglicher Investoren.
Henri sieht aktuell drei große Herausforderungen für Krypto:
„Erstens die Krypto-Märkte. Wenn wenig Interesse an Bitcoin besteht, ist allgemein dennoch viel Interesse an Altcoins vorhanden.
Zweitens sind es externe Faktoren.
Dabei denke ich an die zahlreichen Hacks, zum Beispiel in DeFi, auch durch Nordkorea. Das macht eventuell Unentschlossenen die Entscheidung schwerer, in das Feld einzusteigen.
Drittens ist es ein dauerhaftes Problem: der Mangel an Bildung in diesem Bereich. Wir sind auf einer Krypto-Konferenz, aber wenn ich draußen Menschen frage, was sie von Krypto halten, denke ich nicht, dass die Wahrnehmung sehr positiv ist.“
Kryptos institutioneller Moment
Eine der wichtigsten Beobachtungen auf der diesjährigen Consensus war die Überschneidung zwischen Banken und der Krypto-Branche.
Der frühere Technopunk-Stil verschwindet immer mehr. Stattdessen gibt es jetzt eine Verbindung zwischen dem etablierten Bankensystem und modernen Krypto-Tools.
Henri, der viele Consensus-Konferenzen besucht hat, bemerkt den Wandel:
„Ich hatte das Privileg, auf jeder Consensus-Konferenz, bis auf eine in Toronto, zu sprechen. Ich war bei allen in den USA und Asien dabei.
Und das ist mit Abstand die Consensus, die ich als am stärksten institutionell geprägt empfand. Nicht nur bei den Besuchern, sondern auch hinsichtlich der Inhalte und Sprecher. Ob das gut ist oder nicht.
Ich denke, auf lange Sicht ist es positiv. Natürlich gibt es auch einige Probleme dadurch. Zu diesen Institutionen zählen auch die großen Banken. Ich weiß, dass zum Beispiel JP Morgan hier einen Stand hatte.“
Der Krypto-Winter
Manche hatten gehofft, dass Bitcoin sein Vier-Jahres-Kursmuster letztes Jahr durchbricht, aber das geschah nicht. Die Kurse erreichten etwa 120.000 USD und fielen dann in wenigen Monaten um fast 50%.
Ein Krypto-Winter ist jedoch nicht nur eine Frage des Kursverlaufs. Es geht auch um das Sentiment im Bereich Kryptowährungen:
„Ich bin seit 2013 dabei und habe die Höhen und Tiefen erlebt. Die Branche schwankt immer wieder.
Jedes Mal gibt es eine Phase der Bereinigung. Meine größte Sorge aktuell ist, dass der Bärenmarkt weitergeht. Werden viele neue Talente, die zur Branche kamen, wieder gehen? Denn sie müssen auch ihre Rechnungen bezahlen.
Sie haben Ausgaben. Und der Krypto-Markt steckt gerade in einer schwierigen Lage.“
Auch wenn die Kurse bereits vom Tief gestiegen sind, wird es noch etwas dauern, bis wirklich sicher ist, dass das Schlimmste der Kursverluste vorbei ist. Der Krypto-Winter ist zwar noch nicht vorbei, doch es entstehen weiterhin viele Projekte, und die Verbindung zwischen traditioneller Finanzwelt und Krypto wächst weiter.
Wie Henri feststellt, gibt es aktuell viele Herausforderungen in der Krypto-Branche – aber ebenso viele Chancen.